Was Erfolg ist

head-2748333_1920Es ist schon wieder ein Weilchen her, dass ich hier(!) geschrieben habe, und ich bin sehr lange mit dem Gedanken schwanger gegangen, ob ich diesen Artikel wirklich schreibe, aber schlussendlich gewinnt eben doch immer meine Intuition. ;)

Und warum schreibe ich überhaupt von Erfolg? Wo ist denn mein Buchpreis, wo sind meine zigtausend verkauften Bücher? Nirgendwo. Es soll auch gar nicht um diese offensichtlichen Erfolge gehen, denen wir Kreative alle doch irgendwo in einer kleinen Kammer unseres Herzens hinterherjagen. Es soll mir vielmehr darum gehen, einfach mal dazu anzuregen, selbst das Jahr und seine kleinen und großen Erfolge Revue passieren zu lassen. Vielleicht habt ihr ein Manuskript begonnen oder fertig gestellt? Habt ihr veröffentlicht? Habt ihr nach Monaten – oder sogar Jahren – wieder den Stift aufs Papier gesetzt? Oder wart ihr auf andere Weise kreativ?

Für mich war 2017 erfolgreich, wenn ich es geschafft habe, neben Haus, Hof, Job und Kind trotzdem die eine oder andere Szene am Drachenkind zu schreiben. Es war erfolgreich, als ich es geschafft habe, meine Teilzeit durchzudrücken und mich wenigstens etwas mehr ums Schreiben zu kümmern, als das vorher der Fall war. Dann gab es den einen oder anderen richtig echten, messbaren Wahnsinnserfolg, den ich natürlich auch nicht unterschlagen will. Ich habe die “School of Muses” Idee gehabt, zwei von vier Bänden geschrieben, als Ebook und dann als Print veröffentlicht und meine Erstauflage rasend schnell unter die Leute gebracht. Durch eine Marketingaktion bei xtme, die mir meine Freundin Mella Dumont (“Himbeermond”) empfohlen hatte, habe ich an Ostern 2017 urplötzlich 100 Drachenkinder in wenigen Tagen abgesetzt. Und auf gar keinen Fall will ich die großartige Lesung im wunderhübschen Pfannkuchenhaus von Frau Antje unterschlagen, die ich mit meiner Kollegin Silke Kasamas bestreiten durfte. Ich werde mich noch sehr lange an den Moment erinnern, wo es trotz Tellern und Kaffeetassen im prallvollen Kaffee so still wurde, dass man eine Nadel hätte fallen hören können, wenn ich Luft zwischen den Sätzen geholt habe.

Selbst die weniger erfolgreichen Strecken meines Jahres waren, im rechten Licht betrachtet, echte Glücksfälle für mich. Wie ich hier schon beschrieben habe, ging der erste in D ausgerufene Selfpublishing-Preis an meine Schriftstellerkollegin Madeleine Puljic, aber durch Zufall durfte ich diese außergewöhnliche Frau auch kennenlernen, ebenso wie den “Rising Star” des Mantikore-Verlags, Elea Brandt (deren Namen mich jedes Mal wieder fasziniert :D). Dass die beiden Erfolg mit ihren Werken haben, zeigt mir, dass Fantasy im Besonderen  “wieder” oder “noch” gelesen wird – etwas, das die deutschen Medien ständig in Abrede stellen! Ich kann die Abgesänge auf die deutsche Buchlandschaft schon gar nicht mehr zählen und ich will das auch nicht mehr – es ist Zeit, trotzig zu sein und trotzdem sein Ding zu machen – ein phantastisches Ding!

Wo wir gerade bei Leuten sind, die mich 2017 kreativ und unterstützend begleitet haben, dürfen natürlich Silke & Roggy nicht fehlen, die Sprecherin und der Producer des Drachenkind-Hörbuches. NEUN MONATE IHRER ZEIT haben die beiden der Umsetzung des 20-Stunden-Kolosses gewidmet und ich finde das verdient einen riesigen Applaus!! Wie Elhin in einem lichten Moment so wunderbar zu mir sagte: “Warum sollte ich dafür sorgen, dass du 5.000 Bücher verkaufst, wenn du sämtlichen Gewinn einem Fremden geben musst, um ein Hörbuch zu erhalten? Ich kann doch auch dafür sorgen, dass liebe Menschen ihrem und deinem Traum gleichzeitig mit diesem Werk näherkommen, nicht wahr?” Solche Momente machen mir unmissverständlich klar, dass meine Figuren ihre eigenen Personen sind, obwohl sie keine Körper haben. Und dass sie mit an meinem Erfolg schrauben, weil mein Erfolg auch ihrer ist. Klingt seltsam? Ja. Aber nicht seltsamer als die Tatsache, dass gerade keiner so ernsthaft mit mir spricht. Die Drachenkind-Charaktere nicht. Die Muse nicht. Niemand.

Mein nächster Erfolg wird also sein, dass ich entspannt annehmen kann, dass im Moment nichts zu Schreiben ist. Momentan fühlt es sich nämlich ganz und gar nicht so an.

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