Buchtipp: Noras Welten (#dspp Gewinner)

cover_noras_weltenWenn euch dieses Buchcover bekannt vorkommt, dann habt ihr wohl die Verleihung des 1. Deutschen Selfpublisherpreises (#dspp) verfolgt. Schon auf der Longlist hat es mich angelacht und jetzt habe ich es durch: Fazit? Grandiose Fantasy!

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir die meisten Bücher heutzutage ein bisschen flach daherkommen. Es ist sehr schwer, mich zu begeistern. In meinem eigenen Genre Urban Fantasy/ Magischer Realismus ist es noch schwieriger. Wenn die Message des Buches nicht über den einen oder anderen Kalenderspruch hinauskommt, platzt mir eigentlich regelmäßig der Kragen. Womit ich übrigens nicht sagen will, dass diese Bücher keine Berechtigung hätten. Ich würde NIE einem Autoren seine Daseinsberechtigung aberkennen, aber ich darf die Bücher nicht so pralle finden. Es muss also schon im ersten Schritt ein Klappentext wie dieser sein, damit ich überhaupt zugreife:

»Ich bin eine Gefangene der Geschichte.
Etwas, das dort nicht hingehört.«

Nora Winter hat Angst vor Büchern, und das aus gutem Grund: Was sie liest, muss sie am eigenen Leib erleben. Mit Hilfe eines Hypnosetherapeuten will sie das Problem in den Griff bekommen, doch damit beginnen ihre Schwierigkeiten erst recht.
Gegen ihren Willen landen die beiden in einer Welt, die eigentlich nicht existieren dürfte – zwischen Rittern, Magiern, Drachen und Intrigen. Es gibt nur einen Weg zurück: Sie müssen die Geschichte bis zum Ende durchstehen.

Schon die Grindidee hat mich völlig vom Hocker gehauen, denn das ist doch eigentlich das, was die Leser in einem Buch suchen und an ihm schätzen. Sie flüchten in die fiktive Welt. Die gute Nora Winter flüchtet aber nicht, sie fällt unfreiwillig in das Buch hinein – und auch in jeden anderen Text, den sie überfliegt. Das macht sich im Alltag natürlich nicht so gut! Gemeinsam mit ihrem Unsympath von Therapeuten stolpert sie dann natürlich genau in die falsche Welt für Anfänger: in einen mittelmäßig flachen High-Fantasy-Roman. Elantris, nur schlecht. Azeroth, nur ohne Kuschelgrafik, dafür aber mit verdammt echtem Blut und scharfen Schwertern. Jetzt müssen sie sich durchbeißen, bis der designierte Held seinen Gegenspieler ausgeschaltet hat und das Buch zu seinem natürlichen Ende kommt. Ohne aufzufallen. Für Menschen aus dem 21. Jahrhundert eine Mammutaufgabe!

Es ist so herrlich, wie hier alles aus der Schwert-und-Drachen-Fantasy auf die Schippe genommen wird. Nora ist es so leid, in diesen mistigen Gschichten zu landen, dass sie regelmäßig austickt und dabei sehr akkurate Analysen der Figuren liefert. Sie beschwert sich über beschissene Plot-Wendungen, durchschaubare Charaktere und tierische Sidekicks, bis ihrem werten Herrn Therapeuten die Ohren schlackern – einfach köstlich!

Wo es mit den beiden – und vor allem zwischen den beiden – hingeht, das hat mich dann nochmal total überrascht. Überhaupt ist die Dynamik der Knaller. Wer ist hier eigentlich der Held? Wer ist der Bösewicht der Geschichte? Wen müssen die beiden gerade bremsen oder unterstützen, um die Story voranzubringen? Und können sie das überhaupt? Warum tut es weh, zurückgewiesen oder angeschrien zu werden von einem fiktiven Charakter, der einem völlig egal sein könnte? Warum ist es trotz der Fakten traumatisch, wenn die Schwertbrüder in den eigenen Armen verbluten? Ist doch alles nur ein Buch…. richtig?

Ich stelle das Buch in seiner Originalität und Genialität auf eine Stufe mit Brandon Sandersons “Rithmatist” und in seiner Witzigkeit auf eine Stufe mit David Safiers “Jesus liebt mich”. Deshalb von mir eine absolute Leseempfehlung und fünf Sterne!!

Exkurs: Wie sich der eine oder andere vielleicht dunkel erinnert, hatte ich das Drachenkind ebenfalls zum dspp eingereicht. Also habe ich natürlich verfolgt, wie es da weitergeht. Und schon beim Blick auf die Longlist dachte ich: “Oh Gott ja, wir sind halt in Deutschland, ne?” Krimis, wohin das Auge sah.  Manche Titel sind (grafisch!) eindeutig geklaut von Joy Fielding’s “Solange du atmest”, dazwischen die obligatorischen Romanzen. Merkt man eventuell, dass ich beiden Genres persönlich nicht sooooo viel abgewinnen kann? Okay, schön. Aber schon dort bei den Covern dachte ich: “Mensch, das mit dem Drachen und dem dunkelhaarigen Mädel, das ist das EINZIGE, das mich wirklich interessieren würde.”  Auf dem BuchmesseCon in Dreieich bin ich dann ganz zufällig (hahahaha) in Madeleine hineingelaufen und was soll ich sagen, die Autorinnen-Chemie stimmte sofort. :) Deshalb habe ich auch überhaupt kein Problem damit, dass sie den Preis gewonnen hat. Ich denke mal, irgendwann in den nächsten Jahren kriege ich schon noch meinen eigenen, das wär doch gelacht. ^^

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