Leseprobe: Der Pakt der Muse (School of Muses II)

School-of-muses-2_Pakt-der-Muse_lowresIhr Lieben, wie gerade angekündigt ein kleines Schmankerl für einen Sonntagnachmittag. ;) Wenn alles gut geht, könnt ihr den zweiten Band nächstes Wochenende in Gänze genießen! Und jetzt erstmal viel Spaß mit Annett, Pasch und des anderen!

 

Toni legt seinen schlafenden Sohn auf einem Bett aus Koffern und Jacken auf dem Gepäckwagen ab, legt ihm seinen Kapuzenpulli über und lässt sich seinen Rucksack von mir aushändigen.
»Willkommen Zuhause«, lächelt der Mann auf der anderen Seite des Wagens freundlich, besonders in Annikas Richtung.
»Annett, darf ich vorstellen?«, gähnt diese. »Das ist Mikael, ein ehemaliger Schulkamerad von mir. Er hat einen Taxi-Service in der Stadt und hat uns sicherlich schon zweihundert Mal davor bewahrt, unseren Flieger zu verpassen.«
Ich stelle mich brav vor und trotte mit Mikael und dem Rest der Mannschaft auf Helsinkis abendliches Pflaster hinaus. Ich bin genau so übermüdet wie alle anderen, denn die vielen Stunden im Flieger musste ich mich damit auseinandersetzen, wo ich ab jetzt wohnen werde. Offiziell bin ich noch Nanny und Lehrerin bei Nieminens, ich wäre im großen Haus der Familie in Kerava ca. 30 Kilometer nördlich des Stadtzentrums also durchaus untergekommen. Pasch sah die Sache naturgemäß anders. Er wohnt in einem Loft nahe des ältesten Stadtteils. Und er wurde – wortwörtlich – nicht müde, mir die Vorzüge seiner Bleibe aufzuzählen. Die Tatsache, dass wir dort endlich mal alleine sein werden, glitzerte zusehends in seinen Augen. Da ich außerdem nicht möchte, dass Tinus sich an meine Anwesenheit bei sich Zuhause gewöhnt, und Annika und Toni ebenfalls eine ganz und gar musenlose Pause verdient haben, gab ich schließlich nach.
Mikael scheint an alles gedacht zu haben: Sein Neunsitzer von Mercedes hat abgedunkelte Scheiben, einen überaus bequem aussehenden Kindersitz für Tinus, der schon in Schlafposition gestellt worden ist, und einen Mini-Kühlschrank, randvoll mit den Lieblings-Biersorten der Jungs.
»Mein Loft wird dir gefallen«, erklärt Pasch selbstsicher. »Es war früher Teil einer Papierfabrik und wurde fachmännisch aufgemotzt. In dem Viertel leben viele Kreative. Also viel potentielles Arbeitsmaterial für dich.«
»Wir werden sehen«, lächle ich schnell. Meine Güte, ich habe mir noch immer nicht überlegt, wie ich mit meinen neuen Fähigkeiten umgehen soll. Ich bin Paschs Freundin, kein Zweifel. Obwohl wir uns nie in peinlichen Liebesschwüren verlieren, möchte ich das auch bleiben. Aber sonst? Wie zum Kuckuck soll ich mir einen Markt erschließen und eine eigene Existenz aufbauen, wenn Arctic Pitch mal die Nase voll von mir hat? Oder wenn Pasch ein neues Häschen hat, dass ihn … inspiriert? Der Gedanke schmerzt mich, und ein sehr unwillkommener Teil meines Kopfes weist darauf hin, dass ich mir zur Not ja ein Zimmer in einem Puff mieten kann, um meine Talente an den Mann zu bringen.
»Und an die Frau«, flötet April.
»Oh Gott, sei einfach still!«, knurre ich laut. Ich bin müde und gereizt und ich möchte in ein Bett. Mittlerweile wäre es mir egal, ob das bei Toni, Pasch, Tommy oder im nächsten nichtssagenden Hotel steht.
»Was hat die freche Nudel jetzt schon wieder gesagt?«, fragt Hendrik schmunzelnd. Eigentlich traurig, dass sich die sechs Erwachsenen um mich herum so schnell an das ständige Zwiegespräch in meinem Kopf gewöhnt haben. Dennoch verkneife ich mir mit Blick auf Mikael jeglichen Kommentar. Der jedoch ist leider schon aus seiner Fahrer-Trance aufgewacht. »Wer sagt was?«, fragt er verwirrt.
»Mik, du weißt, wir lieben dich, gell?«, fragt Annika süßlich.
»Ja, weiß ich«, lacht er stolz.
»Dann hör mal bitte weg, okay?«, fügt sie wesentlich trockener hinzu.
»Alles klar, Boss.«
Nun wendet sich Annika zu mir um, so gut es in einem Neun-Personen-Bus eben geht. »Mik schweigt wie ein Grab, Annett. Ich habe vor ihm sogar schon heftige Streits mit Toni ausgefochten und musste nie etwas davon in der Zeitung lesen.«
»Bitte erinner mich nicht dran«, murmelt Toni, den Blick starr auf den vorbeifliegenden Asphalt gerichtet.
»Also?«, hakt Henrik nach. »Gefällt ihr Helsinki nicht?«
»Doch, doch«, entgegne ich endlich. »Aber sie wird nicht müde, mir zu sagen, dass ich mein Portfolio erweitern soll. Auf Frauen beispielsweise.«
Stille breitet sich im Bus aus.
»Na ja, vielleicht sollten wir dich mal mit unserer Freundin Tatiana bekannt machen«, kichert Toni dann dunkel. »Ich habe gehört, sie und ihre Band Stardeath stecken gerade in der Schaffenskrise.«
»Scha-hatz«, mahnt Annika nur.
»Meinst du denn, dass das funktionieren würde?«, fragt Elias fasziniert.
»Ja, warum denn nicht? April scheint da niemanden zu diskriminieren. Ich frage mich nur ständig, was sie bereit ist, zu tun, um eine Idee gebären zu lassen. Wie weit wird sie mich treiben … für die perfekte Idee eines anderen?«
Mikael wirft mir im Rückspiegel einige sehr konzentrierte Blicke zu, und das liegt nicht an der Verkehrslage. Er ist aber klug genug, die hinunterzuschlucken.

Zwanzig Minuten später haben wir Tommy und Henrik abgeliefert, denn die wohnen nur einen Block voneinander entfernt im Stadtzentrum. Als nächstes erreichen wir das oft gerühmte Künstlerviertel Punavuori. Wörtlich bedeutet es ‚der rote Berg‘, was auf die Farbe des hiesigen Sandsteins zurückzuführen ist. Auch das riesige, ehemalige Fabrikhaus, vor dem wir einige Minuten später halten, ist aus diesem rostroten Stein gebaut, der jetzt in der späten Nacht eher braun unter den Laternen leuchtet.
Pasch klettert erstaunlich energiereich aus dem Taxi, hilft mir heraus und lächelt sein Megawatt-Lächeln. »Willkommen in deinem neuen Zuhause. Ich habe so viele Wochen darauf warten müssen, das sagen zu können.«
Wir verabschieden uns schnell von den anderen und schleifen unser Gepäck in den Aufzug. Selbst wenn ich mir Sorgen gemacht hätte, ob das Gepäck für eine Amerika-Tournee überhaupt mit uns hier hineinpasst, sie wären unberechtigt gewesen. »So wie ich das sehe, könnte man auch drei lebendige Kühe in diesen Aufzug bekommen«, merke ich an.
»Ehemalige Fabrikgebäude haben jede Menge Vorteile«, grinst Pasch und drückt mich an seine Schulter.
»Zum Beispiel Bäder an komischen Stellen und mehr Bodenfläche, als man in einem Monat wischen kann?«, frage ich frech. Ich nehme mir aber sofort vor, hier mit den Sticheleien aufzuhören. Die meisten Männer haben nämlich – obwohl sie das selten zugeben – eine seltsam innige Verbindung zu ihren Nestern. Kein Wunder, die müssen ja auch der Betrachtung durch das anspruchsvolle Weibchen standhalten. Manchmal möchte man meinen, wir Menschen stammen von den Webervögeln ab, und nicht vom Schimpansen.
»Pffff«, schmollt mein Schatz entsprechend verärgert, als wir vor der unscheinbaren Türe seiner Wohnung angekommen sind. »Erstens habe ich eine Putzfrau, ich bin ja nicht verrückt. Und zweitens ist der Ausblick wirklich phantastisch.«
Mit diesen Worten dreht er den Schlüssel herum und drückt die Türe auf. Durch die riesige Fensterfront rechts fällt das orangene Licht der Straßenlaternen hinein. Der große Raum riecht zwar abgestanden, aber in der Luft liegt auch eine faszinierende Note. Die Koffer sind schnell abgestellt und ich muss einige lange Schritte machen, um in der Mitte des ausladenden Wohnzimmers anzukommen. Meine Müdigkeit wird an den Rand gedrängt. Da Pasch kein Licht angemacht hat, sehe ich mich in der Beinahe-Dunkelheit um. Ich bin zwischen zwei Klinker-Säulen durchgegangen, als ich in den Wohnbereich mit Sofas, Sesseln, Esstisch, Fernseh-Ecke und Fitnessgeräten kam. Aus einem weiteren Säulenpaar wandere ich zurück in den Flur, vorbei an der schlauchartigen, halboffenen Küche und tiefer in dieses Faszinosum hinein. Hier hinten ist es richtig düster, aber meine Augen sind es schon von der Fahrt gewöhnt. Vor dem Raum ganz am Ende des Ganges mache ich halt, denn ich habe jetzt alles gesehen außer ein Schlafzimmer. Und endlich fällt mir auch ein, welcher Geruch hier über allem liegt. Es ist derselbe, der auch in Bibliotheken anzutreffen ist – Papier und Leim mit dem leisesten Hauch Leder zwischendrin. Ich liebe diesen Duft! Also breite ich die Arme aus, blicke grinsend auf den Boden und komme wiegenden Schrittes zurück zu ihm, die Fingerspitzen an der kühlen Steinwand. Er ist am Anfang des Ganges stehengeblieben, und ich sehe nur seine Silhouette…

 

Na ihr dürft mal raten, wie sich DAS jetzt wohl entwickelt *hehe* #Don’tHateTheQueenOfCliffhangersPlease!

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