Drachenkind 2 – Neue Leseprobe!

Dragon-with-Crystal-Ball-FigurineDa mich die Muse immer noch voll im Griff hat, gibt es heute auf vielfachen Wunsch einer Einzelnen (gell, Eva ;) ) einen Blick in die Kristallkugel, also eine schnuckelige, neue Leseprobe aus Band 2 vom Drachenkind! Die Szene ist in Wirklichkeit 25 Seiten lang und beginnt damit, wie Jennifer Wright (Moiras Mutter) alleine in der Dämmerung Wäsche wäscht … selten eine kluge Idee. ;)

Bitte habt Nachsicht mit mir, das ist noch nicht die Endversion. Das heißt, es können bestimmt noch viele Füllwörter gestrichen werden, und der eine oder andere Rechtschreibfehler findet sich auch ganz sicher. Die neue deutsche Rechtschreibung und ich, wir werden nur langsam Freunde. *seufz* Aber jetzt erstmal: Viel Spaß!

SPOILER-ALARM:   Der 5. General kann (aus Gründen, die ihr euch vielleicht denken könnt) mangels Zunge nicht mehr sprechen und wohnt jetzt statt in seiner alten Villa in einer kleinen, extrem einfachen Hütte ganz im Süden der Ebene der Elfen.

…………………….

“Sie arbeitete schnell und gründlich, hängte die fertig gewaschenen Teile über einen nahen Ast und vergaß für eine Weile die Zeit. Daher freute sie sich umso mehr, als sie das deutlich dunkler gewordene Wasser zwischen einige Gänseblümchen schütten und den Weg nach Hause antreten konnte. Die nassen Sachen wechselten schnell in die Schüssel und von dort auf die Wäscheleine über ihrem glimmenden Kaminfeuer.
»So, und nun?«, hörte sie sich selbst fragen. »Jetzt bin ich endgültig schwitzig und verklebt!« Sie warf einen Blick durch das Blätterdach vor ihrem Haus. Es hatte zwar schon begonnen, zu dämmern, aber Dunkelheit war ja hier glücklicherweise ein Fremdwort. Also ging sie schnurstracks zurück zu dem Teich, diesmal wesentlich leichteren Schrittes.

Zurück am See hob sie den Saum ihres Kleides an und ging einige vorsichtige Schritte ins Wasser hinein. Ihr Herz quittierte das mit einigen Sprüngen, denn das Wasser war doch um einiges kühler als sie erwartet hatte. Zentimeter für Zentimeter setzte sie die nackten Füße in dem schlammigen Fußbett tiefer. Immer wieder stachen sie kleine Steinchen, aber das kannte sie schon. Sie überlegte noch eine Weile. Ob sie das Kleid einfach von sich werfen sollte und sich lieber einmal kurz dem Schock des Wassers aussetzen? Irgendwann gab sie den Gedanken kopfschüttelnd auf. Es steckte wohl doch zuviel Wohlstandsgöre in ihr. Jedenfalls verspürte sie ganz und gar keine Lust, bei geschätzten zwanzig Grad Wassertemperatur baden zu gehen.
Ein lautes Krachen ertönte in der Nähe und sie zuckte heftig zusammen. So heftig, dass sie taumelte und einen Fuß umsetzen musste, um ihr Gewicht zu fangen. Ein heftiger Schmerz fuhr durch ihr Bein und sie schrie auf. Dabei verlor sie aber den letzten Rest Gleichgewicht und fiel nach vorne auf ihre Hände, die mit lautem Klatschen die Wasseroberfläche durchdrangen und sich in den Schlamm bohrten.
»Mist!«, fluchte sie laut. Dann wurde sie von einem heftigen Zittern geschüttelt, denn die Vorderseite ihres Kleides und zwei Drittel ihrer Arme waren nun klatschnass. Sie versuchte, den verletzten Fuß wieder in den Schlamm zu senken, aber der Schmerz machte das unmöglich. Sie versuchte, durch den aufgewirbelten Sand bis zu ihrem Fuß zu sehen. Als das Wasser sich deutlich rot färbte, zitterte sie noch einmal heftiger.
»Verdammt«, wimmerte sie leise. Sie ließ sich auf die Knie ins Wasser sinken, verarbeitete die Kälte, die ihre Knochen entlangschoss und kroch auf allen Vieren aus dem Wasser. Keuchend setzte sie sich ins halbhohe Gras und betrachtete ihren Fuß. Die Sohle war von einem scharfen Stein oder einer Muschel über die Länge eines ganzen Fingers aufgerissen worden und blutete, als gäbe es kein Morgen.
Eigentlich hatte sie sich für eine starke Frau gehalten, aber die Müdigkeit, der Schmerz, ihre nasskalten Sachen und die Tatsache, dass sie völlig allein hier im Wald saß und keine Hilfe herbeirufen konnte, ließ sie anfangen, zu schluchzen.

***

Kell verwünschte das Astwerk am Rand seiner Wasserstelle nicht zum ersten Mal, und nicht zum ersten Mal quittierte es seinen Hass mit einem lautem Krachen unter seinen Stiefelsohlen. Dann erstarrte er, denn er hörte ein lautes Platschen. Ein Fluch folgte und noch mehr eindeutige Wasser-Geräusche. Und schließlich gesellte sich noch ein Geräusch dazu, das er erst nicht eindeutig ausmachen konnte.
Er schlich näher, diesmal wahrlich bedacht, keinen Laut zu erzeugen, und stand bald zwischen den letzten Bäumen, bevor sich die Lichtung öffnete. Glücklicherweise war es schon recht dunkel und er hatte schon lange gelernt, sich und seine Sachen den Farben des Waldes anzupassen.
Schluchzen. Das Geräusch, das ihn so verwirrt hatte, war das Schluchzen einer Frau. Sie war nicht zu übersehen. In einem ganz und gar durchnässten Leinenkleid saß sie im Gras und hatte ihren nackten Fuß in der Hand. Der Geruch von Tränen wehte herüber, mischte sich mit dem Seewasser. Und darunter ein Geruch, den er allzu gut kannte. Von sich, von anderen, von seinen Gegnern. Blut. Er konnte bedauerlicherweise nicht erkennen, wer die Frau war. Und seine Nase konnte ihm keine weiteren Hinweise geben, so durchnässt, wie diese Frau war. Also kehrte aus der Tiefe seines Inneren den braven Mann hervor und trat auf die Lichtung.
Selbst als er direkt neben dem weinenden Häuflein Elend stand, bemerkte die Frau seine Anwesenheit nicht, denn sie hatte den Kopf in die Hände gelegt. Da Worte wie üblich keine Option waren, entschloss er sich, sich laut zu räuspern. Das ließ sie endlich aufblicken. Und nicht nur sie erschrak, als sie ihr Gegenüber erkannte.
Es war die Frau, die vor Kurzem vor seiner Hütte aufgekreuzt war. Die Mutter seiner ärgsten Feindin. Jennifer Wright, die Menschin aus Cornwall. Am liebsten hätte er sie an Ort und Stelle sitzen lassen und wäre davon gestapft, aber Etwas hielt ihn zurück. Einen Moment horchte er in sich hinein, ob es vielleicht die Aussicht war, sie noch etwas leiden zu sehen. Er musste mit Schrecken feststellen, dass dem nicht so war. Ganz im Gegenteil: Vielmehr wollte er sehen, wie ihre Tränen versiegten. Wie sie trocken und sicher an einem prasselnden Feuer saß. Und zwar in seinem Haus.
Scheinbar hatte sie endlich ihre Stimme gefunden, denn sie krächzte erst etwas
Unverständliches, dann räusperte sie sich und setzte sie noch einmal an. »Sie sind dieser Mann, der etwas östlich von meinem Haus ganz alleine wohnt, oder?«, piepste sie.
Er nickte.
»Was tun Sie hier?«
Er rollte mit den Augen und zeigte mit zusammengezogenen Brauen auf den See.
»Oh. Ja, sicher«, murmelte sie entschuldigend. Sie rutschte etwas aus seinem Weg und begann dann, sich die Haare auszuwringen, deren Längen ebenso nass waren wie der Rest ihres Körpers.
Kell mahlte eine ganze Weile stumm mit den Zähnen und überlegte. Wollte sie etwa so tun, als wäre nichts? Wollte sie zusehen, wie er sich entkleidete und den Staub des Tages von der Haut wusch? Nun, da konnte sie ewig warten. Und die blutende Wunde an ihrem Fuß hatte diese Zeit nicht. Schon jetzt und beim flüchtigen Hinsehen schien ihre Fußsohle geschwollen. Der Schnitt würde sich seiner Erfahrung nach bis zum Morgen entzünden, wenn sie nicht die richtigen Gegenmaßnahmen einleitete. Und woher sollte eine moderne Menschin diese nötigen Schritte kennen? Aber er würde sich nicht dazu versteigen und versuchen, mit dem verbliebenen Stumpf seiner Zunge englische Worte zu formen. Er wusste genau, das war beinahe unmöglich.
»Sie sprechen nicht, oder?«, fragte sie leise, den Blick wie ein Hund nach oben in sein Gesicht gerichtet.
Er schüttelte den Kopf.
»Können Sie es nicht?«, fragte sie besorgt.
Er wiederholte die Geste.
»Oh.«
Der Laut versetzte seinem Herzen einen Stich. »Ja, vor dir steht ein Krüppel«, giftete sein Kopf. »Doch immerhin schrumpft dein Vorteil angesichts deiner Wunde auf ein Minimum, Weib.«
Er schob seinen hässlichen Aspekt mit einiger Gewalt aus seinen Gedanken und konzentrierte sich auf die Aufgabe, die sie darstellte. Das war besser, als seiner Harpyie zuzuhören, wie sie diese Frau zerpflückte. Oder seinem Herzen, das so gänzlich andere Dinge mit ihr anstellen wollte.
Er zeigte abgehackt auf ihren Fuß, kniete sich dann neben sie und ergriff ihren Fuß.
Sie ließ ein schmerzverzerrtes Wimmern hören, das seinen Atem ins Stolpern brachte. Also atmete er tief durch und bemühte sich wesentlich vorsichtiger, die Wunde zu betrachten. Seine Kiefer mahlten heftig, als er alles gesehen hatte. Die Fleischwunde war sogar noch tiefer, als er gedacht hatte – und blutete noch immer. Er sah ihr in die Augen und schluckte.
»So schlimm?«, fragte sie schockiert.
Er legte eine Handfläche auf das Gras hinter ihrem Rücken und half ihr, sich hinzulegen. Dann legte er beide Hände an ihren Rocksaum. Ein kurzer Ruck, ein langes Reißen, und er hatte Verbandsmaterial. Als er ein weiteres Stück aus ihrem Kleid riss, spürte er deutlich ihr Zucken. Es gefiel ihm ganz und gar nicht. Mit größter Vorsicht band er das eine Stoffstück unter ihr Knie, um die Blutung etwas zu verlangsamen. Dann schob er seinen Kopf in ihr Gesichtsfeld, bevor er bei dem Gedanken an ihre zarte Haut verweilen konnte.
»Was ist?«, fragte sie sofort, als sie seinen besorgten Blick sah.
Er drehte das zweite Stück Verband in den Händen hin und her und überlegte, wie er ihr erklären sollte, was er jetzt tun musste. Schließlich wusste er sich nicht mehr anders zu helfen: Er streifte einen seiner Stiefel ab, legte den Verband mehrere Male um seinen eigenen Strumpf… und zog ruckartig an beiden Enden. Der Schock in ihren Augen ließ sie stammeln. »N-Nein. Das kann nicht Ihr ernst sein. Ich werde sterben vor Schmerzen!«
Er zog die Augenbrauen zusammen, als wolle er sie schelten. Was er natürlich nicht konnte. Dann zog er sie ins Sitzen, legte ein Knie vorsichtig auf ihren Oberschenkeln ab und legte ihre Hände auf seinen breiten Rücken. Mit größter Vorsicht wickelte er den Verband locker um ihren Fuß, blickte ihr in die Augen und suchte danach ein Zeichen von ihr. Als sie kaum merklich nickte und die Stirn auf seine Schulter legte, schluckte er erneut heftig. Er blickte wieder auf seine beiden Hände rechts und links von ihrem Fuß, griff die beiden Enden des Stoffes, so fest er konnte… und riss die Arme auseinander.
Das Schreien, das durch den Wald hallte, deckte sich annähernd mit dem Schmerz, dem ihre Fingernägel auf seinem Rücken hinterließen. Er verharrte noch einen Moment mit den Augen auf dem Verband und vergewisserte sich, dass er gute Arbeit geleistet hatte. Dann spürte er, wie ihr Griff erschlaffte und ihr Oberkörper zur Seite hinweg rutschte. Er nahm sofort sein Gewicht von ihren Beinen, legte eine Hand an ihren Kopf und ließ sie ins Gras gleiten.
Einen langen Moment sah er in ihr nun entspanntes Gesicht und versuchte, sein stolperndes Herz zu beruhigen. Dann erhob er sich, ging einige Schritte herum und riss die Finger durch seine raspelkurzen Haare. Ob er sich mit ihr zu Elhins Haus teleportieren sollte? Zweifelsohne hätte er das schon tun sollen, bevor er den Heiler gespielt hatte. Ruhelos lief er noch einige Momente umher und überlegte. Als er wieder zu ihr hinüber sah, hatte er sich entschlossen. Er hob sie auf seine Arme, drückte sie an sich und setzte sich in Bewegung. Und er hatte viel Zeit, in ihr schönes Gesicht zu blicken, denn den Weg zu seinem Haus kannte er mittlerweile blind.”

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One Comment

  1. Mehr, mehr!! Wie geht’s weiter?

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