Klappentext-Donnerstag… eine tolle Idee!

magnifying-glass-29398_1280Ich bin bei Facebook über die Seite Books of Fantasy gestolpert, die in regelmäßigen Abständen einen “Klappentext-Donnerstag” ausruft. Das möchte ich unterstützen und für mich selbst weiterentwickeln. Wie? Seht selbst!

Die Idee des Klappentext-Donnerstages ist schnell erklärt: An diesem Tag nämlich richtet Blog-Besitzerin Denise den Blick vom sonst so wichtigen Cover eines Buches weg und ganz und gar auf den Klappentext. Bei ihr ist die Idee, sich “so ganz ohne Bild” trotzdem in ein Buch zu verlieben und ihm eine Chance zu geben. Das finde ich unterstützenswert (sonst würde ich ja nicht darüber berichten ;) )!

Was hat das alles nun mit mir zu tun? Ehrlich gesagt haben mich mehrere Leute in letzter Zeit auf den Trichter gebracht, etwas mehr über Bücher und ihre Promotexte zu schreiben – unter anderem meine Freundin C.R. Cithren. Und es stimmt tatsächlich, dass der Klappentext eines Buches mit der schwerste Beschreibungstext ist, den man als Autor verfassen muss. Warum? Weil er so verdammt kurz ist! Und für den Lerneffekt und den Spaß an der Sache habe ich mir gedacht, ich mache mir die Arbeit und schreibe handwerklich gute Klappentexte mal so richtig runter. Damit man erkennen kann, warum sie gut sind. Und zwar nicht “gut” im Sinne von “ich mag das” (das ist subjektiv), sondern im Sinne von “handwerklich sauber” (das ist relativ objektiv).  Mir fällt nämlich immer wieder auf, dass ich einen beinahe schon fiesen Vorteil durch meine jahrelange journalistische Ausbildung genieße. Aber dieses Wissen ist ja kein Geheimwissen, deshalb raus damit in die Welt! Schließlich bin ich ein absoluter Verfechter der Aussage: Das HANDWERK des Schreibens kann jeder lernen. Und den Zugang zur Quelle der Kreativität auch. Aber mehr dazu in einem anderen Post….

Heute möchte ich also loslegen mit meinem eigenen Klappentext…. nicht, weil der mit Genialität geschlagen ist, sondern weil es nur fair ist, euch zu zeigen, welche handwerklichen Tricks und Kniffe ich angewandt habe, um nicht den ewig gleichen Brei zu fabrizieren. Und natürlich gilt für meinen KT: Er könnte sicherlich noch besser sein. Auch da bin ich Realistin. Aber im Moment erfüllt er für mich noch seinen Zweck.
Im Übrigen werde ich keine Negativbeispiele anderer Autoren besprechen. Ich halte nichts von Bashing und dabei bleibe ich. Hätte ich Beispiele, die euch Tränen lachen lassen würden? Tausende. Aber es wäre einfach nicht fair, andere zu meinem (und eurem) Spaß zu zerpflücken… also lasse ich es.

Dies ist mein Original-Klappentext, der so auch in allen Shops etc. auftaucht:

Seit Anbeginn der elfischen Zeitrechnung herrscht Krieg zwischen den Elfen und den Drachen. Weder die systematischen Ausrottungsversuche der Elfen noch die Überfälle der Drachen konnten einer Seite den endgültigen Sieg bringen. Das Volk der Elfen hofft daher auf eine alte Prophezeiung, die das Ende ihrer Qualen verspricht.

Als ein Krieger ihrer Welt sich in eine junge Menschenfrau namens Moira verliebt, steht der Erfüllung dieser Prophezeiung scheinbar nichts mehr im Wege. Bis auf die schreckliche Lüge, mit der sie Moira in ihre Welt locken…

Und hier mal meine Umdichtung auf richtig, richtig schlecht. Mit tatkräftiger Hilfe und unter einigen sehr guten Lachern von meiner Freundin C.R. [ACHTUNG KLEINER SPOILERALARM]:

Die wunderhübsche Engländerin Moira hat alles – Job, Haus, und regelmäßige Dates mit heißen Typen. Eines Tages wird sie von einem elfenhaft aussenden Mann vor drei bösen, indischen Jugendlichen gerettet.  Ihr geheimnisvoller neuer Bodyguard hat so viele magische Tricks auf Lager, dass sie sich überzeugen lässt, mit in seine Welt zu gehen. Ob sie in dem Krieg zwischen den Elfen und den in England hausenden Drachen einen Unterschied machen kann? Einige Elfen jedenfalls scheinen nicht begeistert bei ihrer Ankunft.

So… was lernen wir hoffentlich daraus? :D

1) Die Worte “wunderschön”, “heiße Typen”, “böse”, “geheimnisvoll” und “begeistert” werden leider sehr strapaziert die letzten Jahre. Außerdem haben sie mehr oder minder null Aussage und unterfüttern einen riesigen Misthaufen voller Klischees. Darunter “alle Heldinnen sehen aus wie Supermodels”, “alle Helden natürlich wie Herkules”, “irgendwo in jedem Fantasy-Buch müssen die Worte böse und geheimnisvoll auftauchen und last but not least gibt es im Deutschen etwa 25 Wörter, die Reaktionen von Gesellschafts(splitter)gruppen genauer beschreiben als das Wort “begeistert”.

2) Das problematischste Wort im ganzen Absatz ist eindeutig…. INDISCH! Warum? Tja… Es gibt im Journalismus eine Regel. Die besagt: Wenn der ethnische Hintergrund von Straftätern gerade nicht absolut relevant ist, dann lass ihn weg. In einem so kurzen Text bedient man mit dem Adjektiv nur eines, das Klischee vom marodierenden, jugendlichen Einwandererkind. Etwas, das man mir mit einem Recht sogar im Buch unterstellen darf, allerdings sollte man irgendwann auf den Trichter kommen, dass ich hoffentlich recht gleichmäßig austeile.

3) Das ganze Buchthema wird von “epischer Fantasy-Krieg” auf die Stufe “Mary-Sue meets Gary-Stu” gedrückt. Kein Effekt, den ich ganz persönlich haben möchte. Übersetzt ins handwerkliche bedeutet das: Ich habe das Genre und die dazugehörige Zielgruppe mehr oder minder gewechselt – von erwachsenen Fantasylesern, die sich die Mühe machen möchten, viele Stunden lang komplexen Gedanken- und Handlungssträngen zu folgen, zu einer hormongesteuerten Romance-Story mit hirnfreier Zone. Versteht mich hier nicht falsch, Romance nach Schema F verkauft sich *bestens* und es gibt ganz hervorragende Romance-Autorinnen. Außerdem wird Romance ja eben genutzt um besagtes Hirn mal auszuschalten. Ich sage nicht, dass Romance-Leserinnen keines haben. Wär auch doof, schließlich habe ich alle 4(!!) Bände Shades of Grey hier bei mir stehen. ;) Es ist nur, noch einmal, nicht das, was ich handwerklich erreichen wollte und was sich zwischen den Buchdeckeln meines Buches findet.

4) Dass sich in dem Buch auch Drachen finden, erfährt man im vorletzten Satz. Es wird einem so “hingeklatscht”, wie man so schön sagt. Unschön und unnötig, aber super für unser Lehrbeispiel. ;)

5) Der neue Klappentext ist zu lang und zu ungenau. Man kann sich weder mit “der wunderhübschen Engländerin” identifizieren, die leider kein anderes Attribut als Schönheit aufzuweisen hat, und man kann sich erst recht nicht mit dem Mann identifizieren, obwohl der (meiner bescheidenen Meinung nach) eine große Charaktertiefe besitzt. Auch die “magischen Tricks” sind eine grauenhafte Verallgemeinerung. Was kann er denn nun? Kartentricks? Oder was richtig cooles? Wenn schon anfixen, dann richtig!

Es gäbe bestimmt noch mehr, was man meinem Klappentext antun könnte, aber an dieser Stelle will ich mal aufhören! Hoffentlich hattet ihr etwas Spaß mit meinem ganz eigenen “Klappentext-Donnerstag”. Das nächste Mal verballhornern wir den Klappentext von Brandon Sandersons ‘Mistborn’ – dem Lieblingsbuch meines Mannes. ^^ Ich hoffe, ihr seid dann wieder dabei. Ich würde mich freuen!

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