Warum ich Twilight und SoG nicht runtermachen werde

books-2241631_1920Vor einer Weile habe ich mich ja schon einmal mit dem für viele unerträglichen Shades of Grey befasst. Heute will ich daran noch einmal anschließen, denn seit ich diese Erkenntnis hatte, fällt es mir deutlich leichter, “schlechten” Büchern ihren (ja, nicht immer verdienten) Raum zu lassen.

Zuerst einmal die Fakten, auf die wir uns denke ich alle einigen können:

  • JA, SoG und Twilight haben handwerkliche Schwächen….. wenn man es nett ausdrücken möchte. Es sind eben Erstlingswerke. Und Wikipedia informiert mich, dass Stephenie Meyer (Twilight) immerhin einen BA in Englisch hat. E.L. James hingegen ist tatsächlich Laie, sie studierte Geschichte (und ich finde man merkt den Unterschied selbst zwischen den beiden noch einmal deutlich).
  • JA, die Art, wie in Annas Kopf sie selbst und mindestens noch ihre “innere Göttin” wohnen, ist auf den ersten Blick befremdlich.
  • JA, Twilight ist ein JUGENDBUCH. Die Leute vergessen das zu gern. Es hat Preise gewonnen für Kinderbücher. Deshalb kein Sex etc pp. Das können Erwachsene ja gerne gähnend langweilig und dusselig finden, es spiegelt den Reifegrad von Kindern/Jugendlichen wieder.
  • JA, SoG hat im wahren Leben nicht viel mit real praktiziertem Sadomaso zu tun. E.L. James pflegt den Lifestyle nicht und hat – man möge mir mein Wortspiel vergeben – von Tuten und Blasen keine Ahnung. Ich will mich hier nicht zum Experten aufspielen, kann ich auch gar nicht, ich überlasse das gerne den richtigen Profis.

Was also fasziniert mich (und Millionen andere) an diesen beiden Titeln? Ich bin weder 14 noch interessiert, meinen persönlichen “Dom” zu finden, vielen Dank auch. Aber ich werde mich nicht daran beteiligen, diese Bücher schlecht zu machen. Warum? Ganz einfach: Selbst wer Twilight nichts abgewinnen kann, der muss zugeben,  dass seit dem Hype um den Glitzervampir  hunderte von Spin-Offs herausgekommen sind. Und damit meine ich nicht nur Bücher. Für mich sind es zum Beispiel ganz besonders die Film-Soundtracks mit Liedern wie “The Meadow”, die mich bewegt haben. Aber all diese Soundtracks, Bücher etc. gibt es nur, weil Stephenie Meyer mutig genug war, es zu versuchen. Ihr könnt euch auf den Kopf stellen, aber für diese Welle an Kreativität, die sie da ausgelöst hat, müssen wir ihr dankbar sein.

Und bei Shades of Grey? Ja, nun. Ich fände es schön, wenn einige Paare mal überdacht haben, ob es immer nur die Missionarsstellung sein muss. Über die jugendgefährdenden Aspekte habe ich mich ja schon im letzten Post ausgelassen. Darum geht es mir auch gar nicht. Ging es mir noch nie. Ich bin allerdings noch immer (!!) schockiert, wie wenig Leute den Fokus von dem Sex abwenden können und mal wirklich tief in die Geschichte hineinschauen. Ich wiederhole mich gern noch einmal: Christian Grey WIRKT perfekt, aber er ist der kaputteste Mensch weit und breit und wenn man es sich genau überlegt möchte man auf absolut überhaupt keinen Fall sein Leben haben. Oder wärt ihr scharf drauf, als 4-Jähriger tagelang neben eurer drogentoten Mutter auszuharren und fast zu verhungern? Eben. Es geht nicht um das Geld, verdammte Scheiße. Und wer das eine und das andere voneinander trennen will (Geld ja, Kindheit nein), der hat nun wirklich noch nie irgendwas von Psychologie und Motivation verstanden.
Tatsächlich hat mich das Buch – abseits vom obigen Twist – auf ganz anderer Ebene inspiriert. In Annas Kopf gibt es eine sehr sehr faszinierende Konstellation, die leider sehr viel Häme einstecken musste (weil sie handwerklich schlecht gemacht ist und nicht erklärt wird, ich geb’s zu): Die “innere Göttin”.  Für mich ist diese innere Göttin, so dumm sie sich leider benimmt (“Meine innere Göttin hüpft auf und ab und klatscht in die Hände wie eine 5-Jährige”) ein zarter Versuch, Freuds Strukturmodell der Psyche spielerisch anzuwenden.  Da komme ich natürlich nicht als erste drauf und das ist auch egal. Mich ganz persönlich hat diese Machart inspiriert, im Drachenkind aufzuzeigen, welcher Aspekt gerade die Oberhand hat. Denn wir sind nun einmal nicht immer unser rationales, ausgeglichenes Selbst. Im Auto sind wir manchmal miese kleine Egoisten, wenn es um den letzten IKEA-Parkplatz geht, aber wenn der beste Freund umzieht, investieren wir heldenhaft unseren gesamten Sonntag. Das was Freud mit dem Ich, dem Über-Ich und dem ES beschreibt, das sind bei Ana eben sie selbst (Ich) und die innere Göttin (Es wird leider nicht klar, ob die ihr ES oder ihr Über-Ich vertreten soll. Eine ganz eindeutige handwerkliche Schwäche). Bei mir  im Drachenkind sind die drei Aspekte dementsprechend die innere Harpyie (manchmal auch bezeichnet mit Kopf/Hinterkopf, ES), das Herz (Ich) und der allwissende Geist (Über-Ich). Und bis dato hat sich noch kein Rezensent beschwert, dass diese Einteilung verwirrend oder dusselig wäre, also sehe ich keinen Grund, davon abzurücken! :D

So, nun aber genug gespoilert für Noch-nicht-Leser *hihihi* Und a propos Spoiler: Ich könnte mich hinreißen lassen, bald mal wieder einen Ausschnitt aus Band 2 zu posten…..  ;)

Diesen Artikel weiterempfehlen:

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>